Montag, 11. August 2014

Zielgerade

Die Tasche ist gepackt (mit viel zuviel Kram, das ist immer so), das Löwenherz liegt frisch gebadet neben mir und schnarcht, und ich muss morgen früh um fünf aufstehen und kann absolut nicht schlafen, ich bin völlig aufgekratzt.

Am Donnerstag steht die nächste OP an, und aktuell ist alles, was wir wollen, daß die keinesfalls verschoben wird. Wir sind noch mitten in den Ferien, also sind die Geschwister alle problemlos verbabysittet, und das Löwenherz kann sich danach in aller Ruhe erholen. Ab November ist meine Elternzeit definitiv vorbei und meinen Wiedereinstieg würde ich ungern mit einem Krankenschein beginnen.

Wie dem auch sei, am Donnerstag könnten wir den einen (und vielleicht noch einen weiteren) Daumen brauchen, da wird hart geschnibbelt und ich hätte das Kind doch gerne vollumfänglich funktionstüchtig wieder. Bitte.

Montag, 7. Juli 2014

Call me, baby!

Seit ziemlich genau drei Jahren läuft unser Leben auf diesen einen Termin hinaus, teilt sich in "davor" und "danach". Wir hatten in den letzten Jahren schon mehrere Schritte, mehrere Operationen und mehrere "danachs", aber von vornherein war klar, daß dieser (vorerst) letzte Schritt nochmal ein ganz großer wird, sowohl für das Löwenherz als auch für den Rest der Familie.

Nachdem ich seit Mai weiß, daß der Termin kommen wird, er aber nicht kam, habe ich heute in der Klinik angerufen und mal nachgehakt. Es stellte sich heraus, daß sie uns vor Wochen schon angerufen und um Rückruf gebeten haben, was auch prima geklappt hätte, wenn ich mir keine neue Handynummer zugelegt hätte oder wenigstens daran gedacht hatte, daß in der Klinik nur die alte vorliegt. Die rheinische Frohnatur am anderen Ende sah das aber ganz locker und sie fand mich auch nur ein bisschen doof, als ich ihr eröffnete, daß sie die Nummer immer noch nicht bekommt, weil ich mit dem Mobilteil, in dem sie einprogrammiert ist, gerade telefonierte und zwar mit ihr.
Immerhin konnte ich ihr die anderen Informationen aber liefern (Magensonde: hamwa nicht, PEG: hamwa nicht, Medikamente: nur Aspirin) und mir notieren, was wir alles mitbringen müssen. Neben den bekannten Dingen wie Einweisung und Kassenkarte müssen wir vorab noch zum Zahnarzt, um eine Kariesfreiheitsbescheinigung zu holen, in der die Freiheit von Karies der Löwenherz'schen Zähne bescheinigt wird. Und zum Friseur, das sage aber ich, nicht die rheinische Dame.

In genau fünf Wochen rücken wir also ein, bis dahin hab ich noch genug Zeit, alles zu organisieren und mich ein bisschen reinzusteigern.

Abgesehen davon ist heute der Wummel aus dem Kurzurlaub mit den Schwiegergroßeltern zurückgekommen, wohlgenährt und voller wichtiger Informationen, bei deren Übermittlung er mir das eine und einen Teil vom anderen Ohr abgekaut hat. Das hat mir gefehlt.

Sonntag, 6. Juli 2014

Im Hinterland

Die Kronprinzessin war ja nun schon mehrfach schwer beleidigt, weil ich sie zu Konzerten nicht mitgenommen habe. Da hatte ich aber schon immer Gründe; zu einem rumpeligen Clubkonzert, bei dem mit Gerangel zu rechnen ist, muss ich eine Dreizehnjährige nicht mitschleppen.
Gestern hab ich sie aber mitgenommen, Hip Hop Open klang vergleichsweise relaxt, war mit einem Tag auch überschaubar und war wohl unsere letzte Chance dieses Jahr nochmal Casper live zu sehen.

Mit dem Zug nach Stuttgart ist ja so gar kein Thema, und weil Mama weiß, was Teenies wollen, haben wir einen kleinen Überraschungsabstecher zu Dunkin' Donuts gemacht und das Kind mit süßem Gelatsche versorgt. Wir waren dann immer noch rechtzeitig zu den Orsons auf dem Gelände (zu denen ich ein "Wieso hast du mir nicht erzählt, daß die so cool sind?" kassiert habe, aber daß sie mir jegliche Ahnung in allen Lebensbereichen abspricht, ist ja bekannt) und haben uns danach noch ein paar Auftritte angeguckt, uns durch die Fressmeile gefuttert und uns beizeiten nach vorne durchgedrängelt. Das Kind wollte dringend ganzganz vor, also sind wir bei Nas schon am Eingang zum Front-of-stage-Bereich rumgelungert und irgendwann mit reingerutscht.

In meinem biblischen Alter hab ich ja schon etliche Konzerte aus verschiedensten Genres gesehen, aber ich kann an einer Hand abzählen, wer live in einer Liga mit Casper spielt. Ich behaupte, daß das nichts ist, was man lernen kann, dieses Spiel mit dem Publikum muss man mitbringen. Im Vorfeld wurde ja viel genölt, wieso nicht Nas der Headliner ist, der sei doch viel bekannter und Ami auch und überhaupt so real. Oder so. Ich denke, daß man damit dem Herrn damit keinen Gefallen getan hätte. Nach dem phänomenalen Auftritt mit richtiger Band (ich bin ja eher ein Rockkind, mit einem Hampelmann und einem DJ hab ich's eher nicht so) mit Feuerwerk und Ausflippen, kann man als Ein-Mann-Erzähler imho nur verlieren.

Während ich damals als Begleitperson bei Justin Bieber übrigens noch in entsetzte Augen geschaut habe ("Mama, die gucken schon!"), war ich gestern doch angetan, daß mein Kind ordentlich mitgefeiert hat. Überrascht war ich erst nach dem Konzert, mit Schluchzen und Tränen hab ich nicht gerechnet, aber mit Dreizehn kann einen das schon mal mitnehmen. Also: Ich nehm sie wieder mit. Und Taschentücher.

Dienstag, 24. Juni 2014

Generationsübergreifendes Fangirling Part I

Das Schöne daran, wenn man relativ früh Mutter wird, ist ja, daß es eine gewisse Zeit eine Schnittmenge dessen gibt, was beiden gefällt. Kein "Für einen Kinderfilm war der nett", sondern tatsächliche beiderseitige Begeisterung.

Die Kronprinzessin war ja schon diverse (drei) Male schwer enttäuscht, weil ich sie zu einem Konzert nicht mitgenommen habe, obwohl sie die Band auch toll findet. Aber jetzt isses soweit, zum Hip Hop Open nehme ich sie mit. Weil ich mir da eh vorkomme wie ein Roßbollen auf der Autobahn und wir eh nur die eine Band wirklich sehen wollen und weil sie sich so freut.

Als Warm-up haben wir uns heute Abend diesen Stream angeschaut und ein bisschen rumgespackt. Das war wunderbar, die Kronprinzessin hat sogar ergriffen geweint (und sie heult so gut wie nie bei Filmen!), wir vorfreuen uns sehr. Nun simmer mal gespannt.

Freitag, 13. Juni 2014

Ich ess' Blumen

Als Teenager war ich mal Vegetarierin. Weil es richtig schien, weil Thomas D. es auch war, weil ich ein Teenager war. Dummerweise hatte ich außer "Fleisch weglassen" keine Ahnung und ernährte mich recht schnell von süßen Pfannkuchen, Dampfnudeln und Pudding. Nach zwei Jahren hatte ich (wen wundert's) erhebliche Mangelerscheinungen und einen unglaublichen Heißhunger auf Fleisch.
Ich mag Fleisch. Ich esse es gerne und bin eine durchaus ambitionierte Grillerin.
Was mir immer wieder sauer aufgestoßen ist, waren die Haltungs- und Schlachtbedingungen, das übliche Thema eben, muss ich ja nicht breittreten. Ich fand das also immer nachvollziehbar, aber: Das Fleisch war billig und der Geist war schwach.

Vor ein paar Wochen eröffnete mir die Kronprinzessin, daß sie jetzt Vegetarierin sei. (Das ist an sich überhaupt nicht schlimm, doof war die Verkündung direkt nach dem Wocheneinkauf, aber dann muss man eben improvisieren.)


Außerdem wollte ich wieder mit einer etwas bewussteren Ernährung starten, mir war das alles ein bisschen viel für mal einfach loskochen, also hab ich Literatur resp. ein Kochbuch gesucht.
Jetzt hab ich mir ein vielgelobtes veganes Kochbuch zugelegt (wenn schon, dann richtig!) und nach der Abreise der Austauschschülerin haben wir losgelegt.
Der Kronprinzessin schmeckt's, die Miss meckert ohnehin und die Jungs merken kaum einen Unterschied. Die dürfen aber trotzdem zwischendurch ihre Wienerchen essen, man muss sie ja nicht ärgern. Ich persönlich mach das ziemlich streng: 30 Tage lang
- kein Fleisch
- keine Milchprodukte und Eier
- keine Nudeln, Kartoffeln und Reis
-kein Industriezucker
-kein weißes Mehl
Kaffee ist eigentlich "erlaubt", schmeckt mir aber ohne Milch nicht, also hab ich den gegen grünen Tee eingetauscht. Dafür trink ich bisweilen ein alkoholisches Getränk, wofür die glühenden Anhänger mich vermutlich mit Fackeln aus dem Camp jagen würden.

Dieser Monat sollte mich auf vegetarisches Kochen ausreichend einschwingen und wer weiß, vielleicht bleibt ja was hängen. Wenn ich so selten Fleisch esse, daß ich mir fröhlich gewachsene Kuh leisten kann, ist das ja auch schon was wert.

Und seit gestern mach ich auch noch Spocht, da hab ich auch was durchführbares gefunden.



Sonntag, 1. Juni 2014

Nous sommes excités!

Oder so.

Morgen rückt die Austauschschülerin (la correspondante) an und hier herrscht der Ausnahmezustand. Der Hase hat schon die Jungs aus der Schußlinie geschafft, damit ich hier noch feudeln und hauselfen kann. Weil ich schon lange wusste, daß das heute auf dem Plan steht, war es auch total vernünftig, mir gestern bis nachts um zwei Zombiefilme reinzuziehen und jetzt motivationslos rumzuschleichen.

Fotos und einen Steckbrief haben wir schon, ich bin über alle Maßen gespannt, wie es wird. Ob sie schlimmes Heimweh hat, ob ihr das Essen schmeckt (geplant sind Pizza und Pfannkuchen, da sind die Chancen wohl am größten), ob die Geschwister sich benehmen, ob wir uns verstehen, ob sie besser deutsch spricht als ich französisch (was hoffentlich so ist, sonst wird das ein dreitägiges Gekrampfe und Gestammel, ist bei mir ja schon ein paar Tage her und war nie gut), ob die Mädchen sich mögen, ob sie der Wummel im Hulkkostüm (das er seit Tagen ausschließlich trägt!) sehr irritiert, hach, sie sehen, ich bin ein kleines bisschen aus dem Häuschen.

Freitag, 23. Mai 2014

One step further

Am Sonntag also Aufnahme in der Klinik.
Das Löwenherz war mäßig begeistert, als der Papa ging und langsam klar wurde, daß das mit dem Übernachten kein mauer Scherz gewesen war. War aber alles machbar, wenn man in Kauf nimmt, daß die Nachtschwester einen anmeckert. (Das Kind mit in meinem Bett ist zu gefährlich, habta gewusst?)
Sogar die Sache mit dem letzten Termin (14 Uhr. Vierzehn!) ging glimpflich ab, ein Kaba zum Frühstück und Apfelschorle bis zwölf vorher reichen tatsächlich aus, wenn man danach direkt ein Schläfchen hält.
Bis in den Vorraum durfte ich das dicke Baby tragen, von dort aus konnten wir schon mal das Labor inspizieren. Der Scheißegalsaft ist unser Freund, die Geschichte über das "Raketenbett" hat total gezogen. "WOW! Baby da hui?" wollte er wissen, ob er sich da dreht; der Rotationsröntgenbogen sieht zugegebenermaßen ausgesprochen vielversprechend aus.

Natürlich ging das Ganze länger als geplant, natürlich war ich reichlich nervös, jedoch nicht annähernd so nervös wie der Papa, als die Klinik bei ihm angerufen hat. Mich hat man nicht gefunden, ich saß aber auch nahezu unerreichbar im Löwenherzschen Zimmer auf Station, kann ja keiner mit rechnen.

Der Verlauf war schlicht bombig, es gab diesmal nicht den Hauch einer Komplikation, weswegen uns der Stationsarzt, von dem ich ohnehin schon Fan war (ältere Geschichte; dem Baby helfen, Ruhe ausstrahlen UND erklären, ohne herablassend zu wirken. Es kann so einfach sein), einen Tag unter par entlassen hat, weil kein Fieber trotz Einsatz von Fremdmaterial. Vielleicht war er auch darauf erpicht, daß keine Feuerwehrautos mehr mit vollem Stimmbandeinsatz über den Flur geschossen werden, aber wir sind da ergebnisorientiert.

Jetzt also zuhause bis Spätsommer, dann der nächste große Schritt. Aber erstmal zuhause.